Aryana

Im September 1911 kam Otoman Zar Adusht Hanish, der Begründer der Mazdaznan-Lehre, das erste Mal in die Schweiz, wo er einen Ehesegen und einen Kindersegen erteilte sowie zwei öffentliche Vorträge hielt.

Im September 1913 fand ein Schweizer Mazdaznan-Kongress in Zürich statt, bei dem die Weihe einer Friedensfahne vollzogen wurde. Im August des folgenden Jahres wurde in Zürich der Verein “Mazdaznan-Haus” gegründet. Sein Zweck war es, eine “Lebens- und Arbeitsschule” nach den Grundsätzen der Mazdaznan-Lehre einzurichten.

Im August 1915 erwarb der Verein eine von David Ammann bereits auf seine Rechnung umgebaute Scheune. In dem Gebäude wurden Unterrrichts- und Fremdenzimmer eingerichtet, eine Küche, ein Speise- und Gesellschaftssaal sowie ein Laden, in einem weiteren Haus eine Druckerei.

Im Februar 1916 erfolgte die Umbennung des Vereins in “Verein Aryana”, dessen Sitz nun Herrliberg war. Aus dem Protokoll der zu diesem Zweck einberufenen Generalversamlung geht hervor, dass der Verein damals 60 Mitglieder hatte. Im April 1916 erfolgte der Eintrag ins Handelsregister.

Zur Siedlung gehörte ein Versandhaus sowie seit 1923 die Ontos-Werkstätten und -Kunstschule.

Im April 1930 wurden das Vereinshaus und sechs weitere Liegenschaften versteigert. Ein Jahr später wurde das ehemalige Aryana-Zentrum an den Diakonieverband Ländli in Oberägeri weiterverkauft. Dieser richtete das noch heute bestehende Chinderhuus Sunneschi ein.

In der Siedlung lebten etwa der Bildhauer Carl Fischer, die Tänzerin Suzanne Perrottet und der Schriftsteller Albin Zollinger.

Quellen

“Satzung des Aryana-Bundes”, in: Mazdaznan, 16. Jahrg., 1923, Nr. 9/10, S. 139-140.
Z 2.723 Aryana-Bund, Herrliberg, Bestand des Staatsarchivs des Kantons Zürich.

Literatur

  • Jörg Zemp, Mazdaznan in der Schweiz. Aryana-Kolonie in Herrliberg 1915-1929, der Begründer der Mazdaznan-Bewegung Otoman Zar Adusht Hanish sowie weitere Repräsentanten, Zürich 2018.
  • Johannes Graul, Nonkonforme Religionen im Visier der Polizei. Eine Untersuchung am Beispiel der Mazdaznan-Religion im Deutschen Kaiserreich (Religion in der Gesellschaft, Bd. 37), Würzburg 2013.
  • Bernd Wedemeyer-Kolwe, “Der neue Mensch”. Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, Würzburg, 2004. Zur Siedlung Aryana S. 58, zu Mazdaznan insbesondere S. 158-164.

Zeige alle

1984

Hilty, Hans Rudolf

Mazdaznan? Nie gehört. Artikel

Tages-Anzeiger, S. 23, 1984.

BibTeX

– Eva Robmann, “Er hat 90 Jahre lang kein Fleisch gegessen”, in: Zürichsee Zeitung, 22. Oktober 2015. Beitrag über Eugen Denzler. Online.
– Lorenzo Petrò, “Heimatschutz kämpft um Sektensiedlung”, in: Tages-Anzeiger, 2. Juli 2010. Online.
– Peter Schmitt, “Johannes Itten und der Aryana–Bund in Herrliberg”, in: Johannes Itten und die Moderne: Beiträge eines wissenschaftlichen Symposiums, Hrsg.; Christa Lichtenstern et al., Ostfildern-Ruit 2003, S. 139-155. Zur Geschichte des Mazdaznan-Zentrums in Herrliberg insbesondere S. 139-141.
– Jean-François Mayer, Les nouvelles voies spirituelles. Enquête sur la religiosité parallèle en Suisse, Lausanne 1993.
– Hans Rudolf Weinmann, “Mazdaznan”, in: Herrliberger Kalender, 1992.