Julius Sponheimer

Julius Sponheimer engagierte sich sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland für den Vegetarismus und für Baugenossenschaften. Ausserdem war er einige Zeit in der theosophischen Bewegung aktiv.

1892/93 war Sponheimer massheblich an der Gründung der Obstbaugenossenschaft Heimgarten bei Bülach beteiligt. Von 1893 bis 1901 war er in deren Vorstand.

1895 gründete er das Zürich Centre, ab 1896 die Zürich-Lodge, die Europäische Sektion der Theosophischen Gesellschaft. Bereits um 1900 löste sich wieder auflöste.

Ende 1894 eröffnete Sponheimer eine Agentur für Eisenwaren an der Häringstrasse im Zürcher Niederdorf.1 1895 wurde der Geschäftssitz an die Sihlstrasse verlegt.2

Sponheimer gab verschiedene Zeitschriften heraus. 1900/1901 erschien *J. Sponheimers Monatsschrift zur Förderung ländlicher Siedlungstäthigkeit* (auch: *Hinaus aufs Land. Monatsschrift zur Förderung ländlicher Siedlungstätigkeit*). Zudem war er Schriftleiter der Halmonatszeitschrift *Der Mensch*.

1907 war Sponheimer im Komitee zur Umwandlung der Kurhaus Waidberg bei Zürich.

Der Vegetarismus eine wirtschaftliche Notwendigkeit

In seiner Schrift *Der Vegetarismus eine wirtschaftliche Notwendigkeit* argumentiert Sponheimer mit (volks-)wirtschaftlichen Argumenten, die er als wissenschaftliche Begründung versteht. Nur am Rande spielt die Ernährunsphysiologie eine Rolle, keine ethische Bedenken. In einer Selbstanzeige, die im folgenden vollständig widergegeveb ist, führt er aus:

Die ganze Nationalökonomie ist beherrscht von der Auffassung, daß die gemischte Kost zur ausreichenden Ernährung der Bevölkerung notwendig ist, daß Tierfleisch nicht entbehrt werden kann und daß mit Nachdruck auf eine “bessere“ Ernährung durch Vermehrung der Fleischnahrung hinzuarbeiten ist. Die Kritik der herrschenden Anschauungen über Ernährung zeigt aber, daß die Notwendigkeit der Fleischnahrung für den Menschen heute nicht mehr besteht. Sie bestand bei einem früheren Kulturzustand, als ausreichende vegetabilische Nahrungsmittel noch nicht vorhanden waren. Mit zunehmender Kultur wurden diese quantitativ und qualitativ vermehrt, wogegen die Tienahrung verhältnismäßig abnimmt. Kultur und Ernährung bedingen sich gegenseitig gemäß dem Gesetz der Korrelation von Kultur und Ernährung. Die Geschichte der Menschen zeigt aber eine zunehmende Verdrängung der tierischen durch pflanzliche Nahrungsmittel, gemäß dem Gesetz, das schon Carey aufgestellt hat, daß der Mensch für tierische zunehmend pflanzliche Produkte substituieren muß, weil die Beschaffung jener immer kostspieliger wird. Das ist auch bei dem Tierfleisch der Fall, das als Nahrung heute schon wesentlich teurer ist, als die Nahrung aus dem Pflanzenreiche, mit zunehmender Bevölkerung und Bodenbebauung aber in steigendem Maße teurer werden muß, weil es das Erzeugnis eines doppelten organischen Prozesses ist, wogegen Pflanzennahrung durch einen einfachen erzeugt isL Die Praxis der Vegetarier bei uns, ganzer Völkerschaften in Asien usw., und neuere objektive Untersuchungen von Ernährungsphysiologen haben aber bewiesen, daß tierische Nahrungsmittel durchaus nicht notwendig sind, um den Menschen leistungsfähig zu machen und zu erhalten. Die Annahme von der Notwendigkeit jener beruht also auf einem Dogma, das bei vorurteilsloser Prüfung nicht gestützt werden kann. Im Gegensatz zeige ich, daß die vegetabilische Ernährung notwendig wird und daß jetzt schon eine nicht zu rechtfertigende Verschwendung getrieben wird, wenn eine teure Ernährung anstatt einer äquivalenten und gleichzeitig wesentlich wohlfeileren Volkseerährung immer mehr gefordert wird.

Ich habe meine Arbeit: Versuch einer wissenschaftlichen Begründung des Vegetarismus genannt. Ich wende mich darin ebenso gegen Einseitigkeiten und
Behauptungen der Vegetarier, als gegen Lehren, die die volkswirtschaftlichen Kreise beherrschen und die nach meiner Darlegung nicht haltbar sind.

Veröffentlichungen

Monographien

* *Die soziale Frage ist nur vom Lande her lösbar*, Berlin 1899.
* *Zweck und Ziele der vegetarischen Siedlungstätigkeit. Vortrag gehalten am 26. Januar 1901 im Verein Deutscher Vegetarier in Wien*, 1901.
* *Der Vegetarismus – eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Versuch einer wissenschaftlichen Begründung des Vegetarismus*, Berlin 1905.
* *Das Wohnungselend der Grossstädte und seine Abwendung durch Selbsthilfe*, Berlin 1906.

Artikel

  • “Die Anti-Alkohol-Bewegung”, in: Vegetarische Rundschau, 27. Jahrg., 1894, S. 8-9.
  • “Kultur und Ernährung”, in: Unterhaltungsblatt zum “Volksfreund”, 25. Jahrg., 25. November 1905, Nr. 47 (Online).
  • “Ueber die Ausnutzbarkeit der Nahrungsmittel”, in: Vegetarische Warte 39. Jahrg., 24. Januar 1906, Nr. 2, S. 16-18.
  • “Das Fletscherisieren”, in: Vegetarische Warte, 39. Jahrg., 21. Februar 1906, Nr. 4, S. 40-41.
  • “Die angebliche Reizlosigkeit der vegetarischen Kost”, in: Vegetarische Warte, 39. Jahrg., 30. Mai 1906, Nr. 11, S. 123-125.

Dokumente

” “Wohnungsteuerung und Mieterbewegung”, in: Neues Wiener Tagblatt, 39. Jahgr., 23. Februar 1905, Nr. 54, S. 7 (Online). Bericht über einen Vortrag von Sponheimer in Wien.
* “Wohnungselend und Baugenossenschaften”

  1. Zürcher Wochenchronik, 7. April 1906, Nr. 14, S. 108 (Online).
  2. Kritische Blätter für die gesamten Sozialwissenschaften, 1. Jahrg., 1905, 5./6. Heft, S. 225 (Online).
  1. Schweizerisches Handelsamtsblatt, 12. Jahrg., 13. November 1894, Nr. 245, S. 1006 (Online). []
  2. Schweizerisches Handelsamtsblatt, 13. Jahrg., 16. April 1895, Nr. 102, S. 431 (Online). []