Alle Artikel mit dem Schlagwort: Fidus

Gusto Gräser als Anlass zur Abreise aus Amden

Ganz abwegig ist die Frage nicht: Warum hat sich Fidus 1904 nicht auf dem Monte Verità niedergelassen, nachdem er in die Schweiz gekommen war, aber nicht in Amden bleiben wollte? Oder etwas bescheidener: Warum hat er 1904, in der Zeit, in der er in Zürich wohnte und arbeitete, den Monte Verità nicht besucht? Ob es nur daran lag, dass er Gusto Gräser, der zudem Mitbegründer der Siedlung auf der Anhöhe bei Ascona war, aus dem Weg gehen wollte? Zumal Gräser als Besucher in Amden ihm den Anlass lieferte, die Gemeinschaft in einem theatralischen Abgang zu verlassen. Wobei Fidus übrigens den Anteil Gräsers an der Gründung des Monte Verità übergeht, wenn er über den Besucher, bzw. seine Brüder schreibt: Es war der Naturdichter, Maler und Wanderer Gusto Gräser, der in der Reformer-Siedlung des Belgiers Oedenkofen bei Ascona am Lago maggiore sesshafte Brüder hatte, dessen jüngerer, auch Maler, ehemals östr. Offizier, aber bald starb. Karl Gräser hatte sich ein Naturhaus gebaut, in welchem alle Möbel aus Naturästen und -knorren bestanden. Seine Frau war eine Schwester der Oedenkoven. …

„Die Freude“

Die Zeitschrift Die Freude wurde zuerst als „Monatshefte für deutsche Innerlichkeit“, später „Monatshefte für freue Lebensgestaltung“ von Robert Laurer herausgegeben. Die Redaktion hatte bis 1924, Heft 14, Magnus Weidemann. Titel und Umschlag der ersten Nummern wurden von Fidus gezeichnet. Ab etwa 1928 wurde die Zeitschrift in der Schweiz durch „Die neue Zeit“ in Bern ausgeliefert. Regelmässige Mitarbeiterin der Zeitschrift war Therese Mülhause-Vogeler. Die ersten Ausgaben erhielten verschiedene Text- und Bildbeiträge von Fidus. Zudem war die Ausgabe Dezember 1924 (Heft 16) auschliesslich Fidus gewidmet. Sie enthielt Beiträge von Ludwig Fahrenkrog, Magnus Weidemann, Jakob Feldner, Fidus selbst und Gertrud Prellwitz. Erfasste Ausgaben 1. Jahrg., 1923/1924, Heft 1-16 2. Jahrg., 1925, Heft 5 3. Jahrg., 1926, Heft 1-2 4. Jahrg., 1927, Heft 1-7 5. Jahrg., 1928, Heft 5, 7-8, 11 6. Jahrg., 1929, Heft 4 Die Bildbeiträge und Illustrationen wurden nicht erfasst. Erfasste Beiträge „Die Freude“

„Deutsch-Hellas“

Die Zeitschrift Deutsch-Hellas erschien als „Erste illustrierte Reform-Zeitschrift zur Gesundung des gesamten nationalen Lebens zugleich Organ der Buttenstedt’schen Empfindungsphilosophie“ in den Jahren 1907/08. Sie gilt als eine der ersten Zeitschriften der Lebensreform. Herausgegeben wurde die Zeitschrift von Hermann Dames in seinem Verlag Hellas.1 In der Zeitschrift veröffentlichte Dames neben eigenen Beiträgen mehrere Artikel von Carl Buttenstedt und insbesondere von Georg Fuhrmann, auch unter dem Pseudonym Egbert Falk, aber auch Texte von Fidus oder Richard Ungewitter. Die Zeitschrift ist samt Bildbeiträgen vollständig erfasst. Erfasste Beiträge „Deutsch-Hellas“ Literatur Marc Cluet, La revue Deutsch-Hellas (1907-1908) entre éclectisme réformateur et singularité „socio-sensuelle“. Im Verlag Hellas erschien 1907 auch Aus unseren vier Wänden. 28 Bilder mit der Schere aus freier Hand geschnitten von Margarethe Baum mit Texten von Frau Alma Blasius. Weitere Veröffentlichungen des Verlags sind nicht bekannt. [↩]

„Zum Tempel der weissen Bruderschaft“

Burning Man. Dass Fidus das Blatt Zum Tempel der weissen Bruderschaft als durch Kino und Freibad „überholt“ bezeichnet, mag zutreffen, was die Nacktheit betrifft. Durchaus „modern“ ist es aber nach wie vor oder wieder, was die surreale oder „esoterische“ Inszenierung etwa mit phantastischem Tempel und Geimsamkeit stiftendem Ritual betrifft. Zumindest legt das die Gegenüberstellung nahe mit Bildern des Festivals Burning Man, des alljährlich in der Wüste von Nevada staffindet. Die Nähe der Formensprache beispielsweise der bekannten Monumentalfigur *Bliss Dance* mag dabei zufällig sein oder eben vielleicht doch nicht. Bliss Dance, 2010. Fidus-Aquarell, 1911. Vgl. dazu etwa Burning Man. *Letzte Änderung: 24. September 2020.*

„Schwertwache“ vs. Oscar

Fidus: Schwertwache. Oscar von Audrey Hepburn. Die Verwandtschaft der *Schwertwache* von Fidus und der Oscar-Trophäe oder den Oscar-Trophäen, da sie wie die Fidus-Figuren, meist gleich in mehrfacher Ausführung auftreten, ist frappant. Schlanke Männergestalten bewaffnet mit einem Schwert. Bei Fidus „filmreif“ in Szene gesetzt bei ihrem Aufmarsch in einer Vollmondnacht, bei der Statue durch das sich wiederholende Ritual ihrer Verleihung in den Sphären von Glitzer und Glamour im Schweinwerferlicht. Repetition als zentrales Merkmal bei beiden. Beides sind Gallionsfiguren ihres Gewerbes. Wächter einer imaginären Welt. Die *Schwertwache* setzte als Nr. 1 den bedeutungsvollen Anfang des Programms der Karten und Drucke, die Fidus seit 1912 in seinem Verlag [St. Georgs-Bund](/fragmente/schwertwache-vs-oscar) herausgab. Der Oscar, eigentlich Academy Award of Merit, folgte 1929 gewissermassen als dreidimensionale Art-Deco-Version der Vorlage von Fidus für die Filmindustrie. *Bild Oscar: Jose Manuel Mazintosh, Wikimedia Commons.*

Die Zeitschrift „Polis“

Im Herbst 1906 wurde in Zürich die Zeitschrift Polis gegründet. Herausgegeben wurde sie vom Arzt und Autor Fritz Brupbacher und seinem Freund, dem Arzt und Journalisten Max Tobler, sowie dem Philosophen Rudolf Willy, dem Maler und Schriftsteller Ulrich Wilhelm Züricher und dem Arzt und Pädagogen Jean Wintsch. Die erste Ausgabe erschien im Dezember 1906. Als Anekdote für seine Wertschätzung durch Rudolf Willy, erzählt Fidus in den Kleinen Lebenserinnerungen von der Gründungsversammlung der Zeitschrift: Der alte Filosof Rudolf Willy in Mels hinterm Walensee war ein Verehrer Finalis und ledig. Er schloβ auch mich in sein Herz und verstand mich allein, als ich an einem Literatentreffen zur Gründung einer Zeitschrift „Polis“ mit Humor teilnahm, weil ich zur schmückenden Mitarbeit eingeladen war. Die Andern, gerade jüngeren, also heiβspornigeren verstanden meine Launigkeit so wenig daβ einer fragte „Wollen Sie uns verhöhnen?“ Fritz Brupbacher schreibt zur Entstehung der Zeitschrift in seiner Autobiographie 60 Jahre Ketzer: Wir waren fünf Schweizer Junggesellen, die die „Polis“ herausgaben, und das einzige, was uns allen gemeinsam war, war die Sehnsucht nach einer richtigen geistigen Gemeinschaft …

Vortragsreise in die Schweiz

Am 1. Mai 1932 wurde Fidus Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei NSDAP mit der Mitgliedsnummer 1.109.839 in der Ortsgruppe Woltersdorf, Gau Brandenburg 46. Im Frühjahr des Jahrs darauf reiste Fidus in die Schweiz und hielt zwischen dem 6. und 30. März an verschiedenen Orten Lichtbildervorträge und machte einen Abstecher ins Tessin.1 Fidus im Nebelspalter Fidus war zu Beginn der 1930er Jahre kein Unbekannter in der Schweiz. Ebensowenig wie der Schweizerische Lichtbund, der einen Teil der Lichtbildervorträge organisierte. Davon zeugt ein Beitrag in der Satire-Zeitschift Nebelspalter, der Ende 1931 unter dem Titel „Nacktheit ist sittlich“ erschienen ist.2 Mit Bezug auf den Titel einer Broschüre der Vereinigung wird darauf hingewiesen, dass beim Freispruch der Vereinigung 1926 argumentiert wurde, dass Nacktheit an sich weder mit Unsittlichkeit noch mit Sittlichkeit etwas zu tun habe. In der Folge wird ausgeführt: Es ist mindestens eine eben so grosse Torheit, die Nacktheit als sittlich zu loben, als sie als unsittlich zu verdammen. Das führt dann zu jenem Extrem der Nacktkultürlermentalität, die jeden, der nicht nackt herumläuft, als ein komplexes Schwein abtut. Diese …

Fidus und das Dritte Reich

Fidus und der NS-Ideologe Wolfgang Willrich Mögliche Gründe für die offizielle Ablehnung von Fidus durch den Nationalsozialismus, was nicht gleichbedeutend damit ist, dass Fidus keine Anerkennung in der Zeit des Dritten Reichs gefunden hätte, fasst der Künstler, Kunstideologe und Autor Wolfgang Willrich in wenigen Sätzen zusammen.1 In seiner Kampfschrift Säuberung des Kunsttempels, die Anfang 1937 erschienen ist, schreibt er: Die Grenze zwischen Wahn und Getue ist bei Propheten und Seelen-„Medizinmännern“ oft auch in der Kunst schwer erkennbar. Fidus hat aus „indisch-theosofischen Einflüssen“, wie er schreibt (Tempelkunst, Flugschrift St. Georgs-Bund), hinweg über Dornachs Goetheanum „die kommende Tempelkultur des arischen Heils“ vorausgeschaut, deren Würdigung allerdings „unverschnittenes Haupt- und sonstiges Haar als geistige Antenne“ (in einem Brief von Fidus selbst hervorgehoben! W.) für feinere „Ätherströme“ voraussetzt. „Der noch lebende Nestor der deutschen Kunst“ (so sieht Fidus sich selbst) ist trotz seiner ehrlichen Bemühungen um alle Lebensreformen, Volksgesundung, Rassegedeihen und sonstige arisch-germanische Heilswege leider ein Opfer von Okkultbeeinflussungen, die er in Jugendjahren empfing, ein tragischer Fall, der künftlerisch sich ausprägt in übermäßigen Seheraugen, Bekennerhaltungen bei oft eigentümlich substanzloser Formsprache. …

Der Krach in Amden

Der Krach in Amden Es ist nun ein Jahr und länger her, daß man in allen schweizerischen und ausländischen Zeitungen einen kleinen Artikel unter „Vermischtem“ lesen konnte, der das Stichwort führte „eine Million für das Schweizerbürgerrecht“. Der ausländische Bewerber, welcher das Glück, in das schweizerische Landrecht aufgenommen zu werden, so hoch einschätzte, war Herr Josua Klein in Amden, Gründer der dortigen, ebenfalls in allen Zeitungen erwähnten „geheimnisvollen Kolonie“. Die Million hat sich leider inzwischen in blauen Dunst aufgelöst, aber auffällig blieb es, daß die Beteiligten ein volles Jahr verstreichen ließen, ehe sie in irgend einer Form der Oeffentlichkeit zu wissen taten, daß ein solches Versprechen, wie es Herr Josua Klein der Gemeinde Amden gegeben haben sollte, weder geleistet noch je erwartet wurde. Die Entstehungsgeschichte der Million führt lediglich zurück auf die scherzhafte Aeußerung eines Mitgliedes des Gemeinderates: „Sagen Sie ‚mal, es wäre doch schön, wenn Sie uns eine von Ihren Millionen zur Verfügung stellen wollten?“ Und irgend ein Scherz war auch die Antwort des Herrn Klein; draußen jedoch, vielleicht in Amden selbst, wenigstens aber weit …