Alle Artikel mit dem Schlagwort: IdaHerion

Ein Tanz- und Konzertabend

Ein Tanz- und Konzertabend Im Theatersaal der königlichen Hochschule für Musik war uns „Musikplastik“ nach der Methode Herion verheißen worden. Ein neues Wort – obendrein ein verunglücktes, denn es enthält einen Widerspruch in sich selbst – für eine alte Sache. Denn was da Lotte Müller sowie Maria und Marta Döll zu allerlei älteren und neueren Kompositionen an schlangenartigen Körperwindungen, an glatter Beweglichkeit der Arme und besinders der Handgelenke gaben, entschied sich in nichts von dem, was uns in gleicher Art, wenn auch unter anderem Namen, die vorige Spielzeit in reicher Fülle bot. Bei aller Würdigung einer gewissen Anmut der Bewegungen ließ sich jedoch eigentlich Charakteristisches in der plastischen Gestaltung der musikalischen Gedankenwelt eines Chopin, Schumann usw. nicht erkennen. Wohl überhaupt ein ästhetisch unmögliches Beginnen. Jedenfalls boten die sehr gewandten Hände der am Flügel begleitenden Ida Herion musikalisch illustrativ bedeutend Besseres, als es auf der Bühne der Tanzenden Fußgelenke vermochten, die überdies – doch nein: Damen gegenüber soll man höflich sein und nicht von Dingen reden, die den Geboten einer schlanken elastischen Schönheit nicht völlig entsprachen. …

Tanzabend Herion

Die Tanzschule Herion gab am Freitag ihren Schülerinnen und Schülern Gelegenheit, der Oeffentlichkeit ihr durchweg beachtenswertes Können zu zeigen. An die Jugend wurde an körperlicher Kraft und Gewandtheit große Anforderungen gestellt. Mit Eleganz und rhythmischem Empfinden tanzten Elsa Sauer, Gertrud Ellwanger und Freidel [sic!] Rupp und ernteten mit Recht reichen Beifall. Der Tanz „Max und Moritz“, welcher durch die beiden kleinsten und jüngsten der Schülerinnen ausgeführt wurde, rief große Heiterkeit und herzlichen Beifall hervor, so daß die Programm-Nummer zur Wiederholung gelangen mußte. Die Kostüme nach Entwürfen von Dr. Schertel wirkten sehr stilvoll; die Begleitung am Flügel lag bei Ida Herion in feinfühligen Händen. Jedenfalls bekam man ein überzeugendes Bild von der fruchtbaren, auf ernster künstlerischer Grundlage basierenden Arbeit von Ida Herion und Dr. Ernst Schertel. -t. Volksfreund (Karlsruhe), 44. Jahrg., 6. März 1924, Nr. 56, S. 4. Online

Tanzabend im Konzerthaus

Immer wieder sind Tanzvorführungen anziehend und locken ihr Publikum in das Parkett. Umglaunlich binz ist die Schar der tanzenden Künstlerinnen unglaublicher bunt die der Dilettänzerinnen. Wir kennen sie alle. Kennen ihre Gesten, Pantomimen, Szenen, Vorwürfe, ihre Kostümcapricen. Jede bringt ihr ureigenstes Temparament mit – oder hat nie solches besessen. Vielleicht im Kostüm, aber nicht in der bewegten Linie, vielleicht in der Geste, aber nicht im Ausdruck des Seelischen – wenige bringen Abgerundetes, Vollendetes mit. Sie kommen, tanzen und flattern nach anderen Städten zu anderen, und doch ihrem ewig gleichen, Publikum. Viel gutes zog vorüber, haften bleiben Bilder und Tanzszenen, die Reihe vom „Sterbenden Schwan“ Pawlowas zum mystischen „Tempeltanz“ Sent M’ahesas, von Lucy Kieselhausen zu Hannelores „Radeukymarsch“ und die Szenen der vielen ungenannten, unbekannten. Am Samstag Abend beherbergte das Konzerthaus das Meister-Ensemlbe [sic!] der Schule Herion aus Stuttgart unter Leitung Ida Herions und des Herrn Dr. Ernst Schertel, welcher für die Kostümentwürfe zeichnete und zugleich in einem tanzästethischen Speech den Zweck und das Ziel des Tanzabends, des Tanzes überhaupt, der an Kopfzahl immerhin spärlich versammelten Gefolgschaft …

An teilweise bestbegabtem Schülermaterial…

An teilweise bestbegabtem Schülermaterial wollte die Tanzschule Herion (Stuttgart) erneut auf sich aufmerksam machen, doch begegnete sie sehr geringem Interesse. In der an mannigfaltigsten Beispielen aufgezeigten Methode von Ida Herion und Dr. Ernst Schertel steckt sicher ein guter Kern, der zunächst zwar als ein Faktor der Gesundheit und also mehr physisch als psychisch zu bewerten ist. Bewegungsspielerei ist noch vieles im weitestem Sinn, eigentliche Choreographie und Kunst nur wenig. Vor allem scheinen die Ausdrucksmittel der weiblichen Zöglinge sehr beschränkt mit Ausnahme der kleinen F. Fricke, die aber ebensogut zur Filmschauspielerin sich entwickeln kann. in ihr ist sicher eine großes Talent das weit den Nachahmungstrieb des Kindes im allgemeinen überschreitet und mit natürlich rhythmischem Bewußtsein eben auch auf Musik reagiert. Von den Darbietungen der andern Schülerinnen läßt sich ja auch behaupten, daß sie gelernt haben, die willkürlichen Bewegungen der Glieder, der Arme und Beine taktmässig zu ordnen, doch feinere seelische Abstufungen fehlen noch vollkommen. Was Hermann Groß, der einzige männliche Vertreter vortanzte, ließ der gekünstelten Grazie gegenüber reichere Gebärdensprache und schon ein Vordringen ins Plastische erkennen. …

Tanzabend der Schule Herion (Karlsruher Tagblatt)

Tanzabend der Schule Herion Einen erlesenen Genuß bot am Freitag abend im Konzerthaus der Tanzabend Herion unter Leitung von Ida Herion und Dr. Ernst Schertel. Den eigentlichen Tanzdarbietungen der Schüler gingen einige erklärende Worte von Dr. Schertel voran, in denen er an der Hand von Uebungen Sinn, Zweck und Ziel seiner Schule aufzeigte. Der Unterricht will eine vollständige Durchbildung des Körpers in all seinen Linien und Bewegungen erstreben, die zu maßvoll schöner und sinngemäßer Beherrschung führt. Also nicht einfache Gymnastik, wenn auch mit dieser durchaus verwandt, auch nicht übliche moderne Tanzkunst mit ihren mancherlei Maniriertheiten [sic!], rhythmische Tanzkunst edelster Art bildet das Programm dieser Stuttgarter Schule. In welch‘ hohem Masse das gesteckte Ziel von den Schülern in der Tat erreicht war, bewiesen schon die erläuternden Uebungen vom einfachen Sprung bis zum Purzelbaum. Die nachfolgenden Tanzdarbietungen der sechs Schüler, deren Begleitung am Flügel Ida Herion sehr fein durchführte, zeigten mit seltener Uebereinstimmung bei allen Nummern dieselbe maßvolle und absolute Beherrschung des Körpers und ein feines Eingehen auf jede Nuance der Musik. Als Meisterschülerin darf unseres Erachtens …

Tanzabend der Schule Herion (Badischer Beobachter)

Tanzabend der Schule Herion Man ist allmählich mißtrauisch geworden gegenüber den modernen Tanzschulen, die meistens nur ein theoretisierend utopisches Dasein rings um eine ehrgeizig thronende Persönlichkeit führen. Trotzdem wird man diese menschlichen Schwächen in Kauf nehmen, wenn dabei das Ziel verfolgt wird, den Tanz, den Kunsttanz, aus den starren Fesseln zu erlösen, in die ihn eine sich selbst genügende Tradition jahrzehntelang gefesselt hielt. Ganz natürlich, daß der mir Krieg und seinen Folgen parallel laufende Expressionismus auch den Tanz auf seine revolutionäre aufflatternden Fittiche nahm und ihm eine gleichgeartete, seelische Ausdruckskraft verlieh. Man gab gleichsam der eingeborenen Musik des Körpers ihre im Schrecken des Balletts verloren gegangene Sprache zurück und ging freilich manchmal über dieses künstlerische Ziel hinaus, indem man bloße Gymnastik schon für den neuen Tanz nahm. Von diesem sportlichen Extrem hält sich nun die Schule Herion erfreulich fern, sie gibt dem Tanze, was des Tanzes ist, und gibt ihm doch den seelisch-musikalischen Schwung, den der Körper aus augenblicklichen Gefühlen und Stimmungen heraus zufällig und von selbst aus sich heraus dichtet. Die einführenden Worte Dr. …

Herion-Schule

Es scheint, dass Ida Herion ihre Tanzschule Herion für Tanz und Körperkultur in Stuttgart 1912 gründete (Toepfer). Seit 1918 war Ernst Schertel an ihr tätig. Offensichtlich entwarf er auch Kostüme. Zu den Schülerinnen der Herion-Schule gehörten Ursula Bischoff-Musshake und Renate Braig-Witzel, die beide nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Stuttgart ihre eigenen Schulen gründeten. Dokumente Gastspiel in Berlin Ein Tanz- und Konzertabend Berliner Tageblatt, 7. September 1917. Tanzabend in Karlsruhe 1924 Tanzabend der Schule Herion Karlsruher Tagblatt, 1. März 1924. An teilweise bestbegabtem Schülermaterial… Karlsruher Zeitung, 1. März 1924 Tanzabend der Schule Herion Badischer Beobachter (Karlsruhe), 2. März 1924. Tanzabend Herion Volksfreund (Karlsruhe), 6. März 1924. Literatur Paul Isenfels, Getanzte Harmonien. Max Adolphi, Arno Kettmann, Tanzkunst und Kunsttanz aus der Tanzgruppe Herion Stuttgart, Stuttgart. Die Aufnahmen stammen von Arthur Ohler.1 Vgl. Arthur Ohler in der deutschsprachigen Wikipedia. [↩]

Ernst Schertel

Ernst Schertel kam am 20. Juni 1884 in München zur Welt. 1911 doktorierte Schertel in Jena mit der Dissertation Schellings Metaphysik der Persönlichkeit. Danach bereiste er Afrika und den Nahen Osten. Von 1914 bis zu seiner Entlassung 1916 war er Lehrer für Deutsch, Geschichte und Religionsgeschichte der Freien Schulgemeinde Wickersdorf. Dort soll er mit seinen Schülern „Mysterienspiele“ veranstaltet haben und das Nackttheater kultiviert. Seit 1918 war er an der von Ida Herion gegründeten Tanzschule Herion für Tanz und Körperkultur in Stuttgart tätig. Mitte der 1920er Jahren veröffentlichte er die Zeitschrift Soma, später die Zeitschrift Asa. Veröffentlichungen Monografien Tanz und Jugendkultur, 1913. Die Sünde des Ewigen oder Dies ist mein Leib, Die Wende Verlag, Berlin 1913. Die Katakomben von Ombos, Stuttgart 1917. Magie. Geschichte, Theorie, Praxis, Prien 1923. Nacktheit als Kultur, Leipzig 1927. Das Weib als Göttin, Leipzig 1928. Das Paradies der Körper, Leipzig 1929. Die Eroberung des weiblichen Körpers, Leipzig 1930. Weib, Wollust und Wahn, Leipzig 1931. Artikel in Zeitschriften „Schelling und der Entwicklungsgedanke“, in: Zoologische Annalen, Bd. 4, 1911-1912, S. 312-321. Online Beiträge von …